Ein außergewöhnliches 1. Jahr

Dekan Dr. Wenrich Slenczka
Bildrechte: Silva Galla

 

Vor genau einem Jahr sind Sie ins evangelisch lutherische Dekanat Würzburg gewechselt und haben Ihr Amt als Dekan angetreten.
Dabei stehen sie 41 Kirchengemeinden und zahlreichen Einrichtungen vor und sind für rund 56 000 evangelische Christen im Dekanatsbezirk zuständig.

Was hat Sie bewogen ausgerechnet in dieser Corona-Situation solch einen Wechsel anzugehen?

Das habe ich mir nicht ausgesucht. Ich wurde kurz vor Weihnachten 2019 zum Dekan ausgewählt. Wir haben den 1. Mai 2020 als Termin für den Dienstantritt festgelegt, als wir über Corona noch nicht nachdenken können. Dann begann die Pandemie und ich musst mit einer gefilmten Verabschiedung in Weiden aufhören und mit 50 Menschen in Würzburg eingeführt werden.

Jetzt war das letzte Jahr alles andere als normal. Es war gezeichnet von Beschränkungen, neuen Herausforderungen und Bedarfen. Wie haben diese Ihren Arbeitsalltag beeinflusst?

Bis heute konnte ich niemandem die Hand geben. Manche Menschen kenne ich bisher nur vom Bildschirm. Die vielen Onlinekonferenzen machen mir zunehmend Mühe. Ich habe gemerkt, wie viel es ausmacht, einem Menschen tatsächlich zu begegnen.

Wenn Sie ein kurzes Resümee ziehen würden: Das erste Jahr hier in Würzburg war…

… trotzdem gut. Ich konnte in relativ kurzer Zeit alle Pfarrerinnen und Pfarrer und manche darüber hinaus in ihren Gemeinden besuchen. Wir hatten weniger feste Termine, sodass die Besuche flexibler möglich waren.

Welche Erfahrungen haben Sie im letzten Jahr hier im Dekanat in und um Würzburg besonders beeindruckt?

Es ist schwierig, da etwas auszuwählen. Manche Begegnungen an der Kirchentür nach einem Gottesdienst haben mir gezeigt, wie wichtig die Gottesdienste sind. Wenn man sieht und hört, wie ergriffen Menschen sind von Musik und Wort. Man erfährt, wie stark der Glaube gerade in der Not ist. Beeindruckt hat meine Frau und mich auch das Glockenläuten am 16. März zum Gedenken an die Zerstörung Würzburgs. Wir sind durch die Stadt gelaufen und haben dann die Menschen vor dem Dom stehen sehen – mit Abstand und in großer Ruhe bei so vielfältigem Geläute. Das war eine sehr intensive Atmosphäre. 

Sind Sie und Ihre Familie auch privat gut in Unterfranken angekommen?

Wir sind erstaunlich gut angekommen. Meine Frau hat Kontakte gefunden, was in Coronazeiten nicht so selbstverständlich ist. Unsere jüngste Tochter hat schnell Anschluss in der Schule gefunden, weil dort einfach nette Menschen sind. Die anderen Kinder haben viel von zuhause studiert, weil alles online stattfindet. Aber dabei merkt man zugleich, wie ihnen die direkten Kontakte zu anderen Studieren fehlen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie in den kommenden Jahren?

Wir stehen gemeinsam vor den Herausforderungen durch die neue Stellenplanung bei abnehmenden Zahlen von Hauptamtlichen in den Gemeinden und Einrichtungen. Wir müssen uns neu bewusst werden, welche Aufgaben unsere Gemeinden und Einrichtung haben, was wir weiter oder neu machen können und was wir lassen können oder müssen. Wichtig ist mir dabei, dass wir diese Herausforderungen gemeinsam angehen. Die Gemeinschaft unter Mitarbeitenden und zwischen Gemeinden ist sehr wichtig.

Haben Sie einen Wunsch für die Menschen im Dekanat?

Ich wünsche uns allen Vertrauen darauf, dass nicht wir die Kirche erhalten, sondern dass Christus sie erhält. Wenn wir uns darauf verlassen und dieses Vertrauen auch ausstrahlen, sind wir als evangelische Christen erkennbar. Und es – oder besser: er – trägt uns selbst.

Herzlichen Dank.