„Kirche an anderen Orten“ veranstaltet - wie in den vorangegangen Sommerzeiten - einen ethischen Stadtrundgang zu einem zentralen Thema und kombiniert diesen mit verschiedenen Veranstaltungen unter den Aspekten Bildung und Spiritualität. In diesem Jahr steht „Armut“ als Stichwort, Lebensrealität und ethische Herausforderung im Mittelpunkt. Der sprichwörtliche „arme Lazarus“ aus der Bibel hilft uns, dabei auch in die existentielle Tiefe zu gehen.
Neugierig? Prima!
Herzliche Einladung, alle oder einige Programmpunkte zu besuchen und zu erleben!
Sie sind auch als Einzelveranstaltungen in sich geschlossen und sinnvoll. Zugleich befruchten sie sich gegenseitig im Gesamtprogramm.
Sonntag, 23.8.2026, 10.00 Uhr, Auferstehungskirche, Gottesdienst „Lazarus“
Hans-Löffler-Straße 33, 97074 Würzburg
Spirituelle und sozialgeschichtliche Neuerkundung eines vertrauten Namens.
Die beiden (verschiedenen) Gestalten im Neuen Testament, die den Namen „Lazarus“ tragen, werden
vorgestellt, voneinander unterschieden und miteinander ins Gespräch gebracht. So entsteht ein
Gesamtbild der biblischen Botschaft und ein Gesamtblick auf unser Leben.
Dienstag, 25.8.2026, 19.00 Uhr, Rudolf-Alexander-Schröder-Haus, Vortrag von Pfr.
Frank Witzel mit Austausch „Die demobilisierte Klassengesellschaft“
Das Buch „Triggerpunkte“ von den Soziologen Steffen Mau u.a. (Nr. 1 auf der Spiegel Bestsellerliste)
wird in seiner (sehr erhellenden und zugleich verstörenden) Analyse vorgestellt und mit den eigenen
Lebenserfahrungen im Gespräch abgeglichen.
Uns beschäftigen dabei die Fragen und schärfen unsere Wahrnehmung: Warum und wie bekämpfen
sich die Armen und Benachteiligten untereinander? Was sagen die soziologischen Daten dazu? Wie
kann deren Befund sinnvoll erklärt werden?
Mittwoch, 26.8.2026, 19.00 Uhr, Rudolf-Alexander-Schröder-Haus, Vortrag von
Pfr. Frank Witzel mit Austausch „Armut ist klebrig“.
Das Problem der Milieuverhaftung beim Lebensthema Armut wird aus der Sicht der
Psychotraumatologie erläutert und erleuchtet. Zugleich bekommt das Publikum eine Einführung in
die Psychotraumatologie, die der Traumatherapie zugrunde liegt. Dieser neue Blick auf ein altes
Problem wird im Gespräch mit den eigenen Lebenserfahrungen abgeglichen.
Uns beschäftigen dabei die Fragen und schärfen unsere Wahrnehmung: Warum und wie werden
„Armutsbiographien“ weitergegeben? Welche Lösungen legt die Psychotraumatologie nahe? Wie
sieht eine Kulturanthropologie aus der Sicht der Psychotraumatologie aus?
Donnerstag, 27.8.2026, 15.00 Uhr, Rudolf-Alexander-Schröder-Haus,
„Kaffeeklatsch mit Lazarus“, ein Bibelcafé mit Frank Witzel. Thema: „Armut in der Bibel –
Bibelkunde und Sozialgeschichte unter dem Blickwinkel der Armut“
In der Bibliothek im EG trinken wir Kaffee, essen Hörnli und haben eine gute Zeit.
Inspiriert von den vorangegangenen Veranstaltungen zu „Lazarus“ lesen wir in einer persönlichen
Herangehensweise in der Bibel ausgewählte und vorbereitete Passagen.
Die Bibel in ihrem historischen, ethischen und spirituellen Kontext lässt erkennen: Das Grundproblem
„Armut“ ist der Bibel in der Gesamtheit ihrer geschichtlichen Überlieferung sehr vertraut. Sie hat
dieses Thema historisch in unvergleichlich gründlicher Reflexion bearbeitet – über viele Generationen
hinweg. Dieser Erfahrungsschatz ist das Fundament, um kreativ und lösungsorientiert gegenwärtige
Herausforderungen theoretisch zu analysieren sowie mutig und entschlossen praktisch anzugehen.
Der spanische Soziologe César Rendueles ist gedanklich auch dabei. Er hilft uns mit seinem Buch
„Soziophobie“ die biblischen Entdeckungen für Geschichte und Gegenwart einzuordnen.
Bitte nach Möglichkeit eine Bibel Gesamtausgabe (AT und NT) samt Zettel und Stift mitbringen.
Im Plauderton tauschen wir uns dabei aus.
Die Inhalte sind:
- Wiederholung Gottesdienst „Lazarus: „Gottes Option für die Armen“ und die Antizipation der
Auferstehung begegnen sich konzeptuell im gleichen Namen
- Transhumanz in den Vätererzählungen, der sogenannten Landnahme und der Richterzeit
(Bronzezeit)
- Die Königszeit: kritischer Übergang und wachsende soziale Differenzierung, Problem der
Rechtlosigkeit in einer patriarchalen Gesellschaft („Witwen und Waisen“, Gottesfurch und
Gerechtigkeit als Gemeinschaftstreue)
- Radikale Nächstenliebe bei Jesus und der Erweis, Nächster zu sein im Gleichnis vom
barmherzigen Samariter (Rollenumkehr)
- Pfingsten und christlicher Urkommunismus, Diakone und Diakonie als Organisationsform
- Impuls der organisierten Diakonie, die in Gemeinden Klöstern in die abendländische
Geschichte eingetragen wird, sehr erfolgreich ist (Wachstum des Christentums im römischen
Staat) und Kulturprägend wird über diakonische Vereine bis zum modernen Sozialstaat.
Montag, 31.8.2026, ab 14.30 Uhr, ethische Stadterkundung zum Thema „Armut“
Treffpunkt, 14.30 Uhr Brunnen vor dem Bahnhof, Begrüßung und Wahrnehmung des Umfelds, Sozialreferentin Eva von Vietinghoff-Scheel wird uns begleiten und sich aktiv ins Gespräch einbringen.
Station 1, 14.45 Uhr Underground / Streetwork am Bahnhof,
Nach Begrüßung und kurze Besichtigung der Einrichtung erzählt der Mitarbeitende Felix Göpfert kurz, was in den jeweiligen Räumen sozial und kommunikativ geschieht. Ab ca. 14.55 Uhr ist Raum für gezielte Fragen zum Alltag der Einrichtung. Ab ca. 15.00 Uhr bittet Frank Witzel das Team der Einrichtung um eine Gesamteinschätzung des Themas „Armut“ – durchaus differenziert nach Haupt- und Ehrenamtlichen. Was möchten die Mitarbeitenden, dass die Gäste, die Öffentlichkeit und die Politik (neu) wahrnimmt und versteht?
Am Ende dieser Gesprächseinheit, gegen 15.15 Uhr, ist Raum für gezielte Rückfragen. Als Abschluss des Besuchs in Station 1, gegen 15.20 Uhr, hat die Sozialreferentin das Wort, um sowohl generelle Einordnungen anzubieten als auch ganz spezielle Fragen zu beantworten.
Um 15.30 Uhr macht sich die Gruppe auf den Weg über den Bahnhofsvorplatz zu
Station 2, Bahnhofsmission
Dort kommt die Gruppe um 15.45 Uhr an.
Philipp Jany, Sozialarbeiter und Ehrenamtskoordinator der Bahnhofmission, begrüßt und begleitet die Gruppe. Die Struktur der Begegnung wiederholt sich, bis die Gruppe wieder um 16.30 Uhr aufbricht zu
Station 3, dem Integrationsfachdienst (ifd) Integrationsarbeit im Postgebäude am Bahnhofsplatz 2, OG 6
Dort kommt die Gruppe um 16.50 Uhr an.
Die Prokuristin des ifd, Susanne Niederhammer empfängt, begrüßt und führt die Gruppe durch die große Einrichtung. Anschließend haben wir Zeit für Austausch und Gespräch, dass sich in der nun bereits eingeübten Struktur wiederholt, bis die Gruppe wieder um 17.30 Uhr aufbricht zu
Station 4, dem Sozialreferat der Stadt Würzburg
Die sozialethische Erkundung führt durch den Park am Bahnhof. Der Weg gibt Zeit und Gelegenheit die Eindrücke im Gespräch zu verarbeiten.Im Sozialreferat in der Karmelitenstraße 43, nahe dem Alten Kranen, kommt die Gruppe gegen 18 Uhr an, nimmt die Gänge, Büros und Abteilungen wahr und findet sich im Vortragsraum ein. Dort stehen erfrischende Getränke und ein kleiner Snack bereit.
Die Sozialreferentin gibt einen Einblick in die lokale Sozialarbeit und – wie zuvor die gastgebenden Einrichtungen – eine Gesamteinschätzung zum Thema „Armut“. Frau von Vietinghoff-Scheel vermittelt der Gruppe, was sie als Sozialreferentin wahrnimmt und welche Hauptimpulse sie
weitergeben möchte.
Nun ist die Zeit gekommen, um sich ein wenig Ruhe zu gönnen, etwas zu essen und zu trinken und dabei plaudernd das Gehörte zu verarbeiten. In der Abendstimmung macht sich gegen 19 Uhr die Gruppe wieder auf und geht durch die Innenstadt zu
Station 5, Weltladen Würzburg
Wir kommen gegen 19.15 Uhr beim Weltladen Würzburg, einer von rund 900 Weltläden in Deutschland, in der Plattnerstraße an. Die Trägerin des 1977 gegründeten Ladens ist die gemeinnützige Initiative Eine Welt e.V. – eine Institution in der Würzburger fair-trade-Szene. Pfarrer
Frank Witzel erinnert sich noch persönlich an die Anfänge während seiner Konfirmandenzeit.
Die Struktur der abendlichen Begegnung ist bereits bekannt und wiederholt sich in lockerer Atmosphäre. Spontan können auch Snacks gekauft und probiert werden. Es empfiehlt sich, auch eine kleine Weinverkostung zu wagen … bis die Gruppe sich wieder gegen 20.30 Uhr verabschiedet.
